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Bilderklau im Internet: Feststellen und dokumentieren

Bilderklau verboten!
Bilderklau verboten!

Ich denke, jeden, der irgendwann Fotos im Internet veröffentlicht, beschleicht irgendwann das Gefühl, dass ihm oder ihr Bilder „geklaut werden“. So ging es auch mir. Wie groß das Ausmaß dieser „Bild-Diebstähle“ sein kann, wurde mir allerdings erst durch Anitas Blog-Post letztes Jahr klar.

Also begab ich mich auch auf die Suche nach Fotos, die mir von meinem Erst-Blog Reise-Wahnsinn.de geklaut sein könnten. Und ich wurde leider sehr schnell fündig. 🙁

Um unerlaubte Veröffentlichungen der eigenen Fotos zu finden und zu dokumentieren gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die rechtliche Situation rund ums Bild habe ich bereits in einem früheren Artikel beleuchtet.

Bild-Verwendungen finden

Google Bildersuche

Für den Anfang oder zur Stichprobe genügt die Google Bildersuche. Hier kann man entweder ein Foto hochladen und Google danach suchen lassen oder eine Bild-URL angeben und Google sucht dann auch nach dem Foto.

Google-Bildersuche

Google-Bildersuche

Als Beispiel hier ein Foto aus der Lobby des Moxy Hotel in Mailand:

Living Room im Moxy Hotel Mailand

Living Room im Moxy Hotel Mailand

In den Suchergebnissen der Google Bildersuche gibt es einen Abschnitt „Seiten mit übereinstimmenden Bildern“ und genau diese Suchergebnisse sind interessant:

Ergebnis der Google Bildersuche

Ergebnis der Google Bildersuche

Mit Ausnahme des ersten Suchergebnisses – es ist ja schließlich mein eigener Blog – handelt es sich hier ausnahmslos um widerrechtliche Bildverwendungen. Also Bild-Diebstähle!

Die Google Bildersuche ist also ein sehr einfaches Instrument, einzelne Bild-Diebstähle aufzufinden. Wenn man allerdings alle Bilder eines Blog-Posts, wie in meinem Beispiel vom Moxy Hotel in Mailand, überprüfen möchte, wird die Sache schon etwas unhandlich. Da ist die Suche über ein Browser-Plugin schon einfacher.

TinEye

TinEye ist eine reine Bilder-Suchmaschine, deren Suchindex nicht so große, wie der von Google ist.

TinEye Reverse Image Search

TinEye Reverse Image Search

Ich gebe wieder die gleiche Bild-URL in den Such-Slot ein und erhalte folgendes Suchergebnis.

TinEye Suchergebnisse

TinEye Suchergebnisse

Nur drei Treffer! Das ist sehr wenig. Interessant ist aber, dass die beiden unteren Treffer bei Google in den Suchergebnissen nicht auftauchen…

TinEye kann zwar die Google Bildersuche nicht ersetzen, aber gut ergänzen. Auch für die Suche mit TinEye gibt es eine Browser-Erweiterung.

Suche mittels Browser-Plugin

Search by Image für Google Chrome

Für den Google Chrome Browser gibt es das Plug-In „Search by Image (by Google)“, das die Suche mit der Google-Bildersuche vereinfacht. Dazu muss die Browser-Erweiterung nur installiert werden und dann kann mit einem Rechtsklick das entsprechende Foto der Google-Bildersuche übergeben werden.

Search by Image im Einsatz

Search by Image im Einsatz

TinEye Reverse Image Search

Von TinEye gibt es ebenfalls eine Browser-Erweiterung für alle gängigen Browser (Firefox, Chrome, Safari, Internet Explorer und Opera), mit dem die Bildersuche auf TinEye vereinfacht werden kann.

Who stole my Pictures? für Firefox

Für den Mozilla Firefox gibt es die Universal-Erweiterung „Who stole my Pictures?“. Dieses Plugin stellt ebenfalls ein Kontext-Menü für die Bildersuche zur Verfügung. Nur kann ich mit diesem Plugin sowohl die Google-Bildersuche nutzen, als auch bei TinEye nach meinen Fotos suchen.

Who stole my pictures?

Who stole my pictures?

Plaghunter

Die manuelle Suche – ob mit oder ohne Browser-Plugin – ist natürlich ein sehr mühseliges Unterfangen. Da sitzt man schon ein paar Stunden, je nachdem wie viele Fotos man schon auf seinem Blog veröffentlicht hat, vor dem Computer und sucht nach möglichen Bild-Diebstählen. Ich kann verstehen, dass nicht jeder die Lust oder Zeit dafür hat. Aber auch hierfür gibt es eine Lösung. Und eine dieser Lösungen heißt Plaghunter!

Bei Plaghunter lädt man entweder seine zu überwachenden Fotos hoch oder trägt die Bild-URLs ein. Alternativ kann man auch seinen Flickr-, 500px- oder Instagram-Account verknüpfen oder eine Image-Sitemap hinterlegen. Plaghunter durchsucht dann selbständig immer wieder das Netz bzw. die Google Bildersuche nach neuen Such-Treffern für die zu überwachenden Fotos und dokumentiert auch jeden Bild-Diebstahl.

Man kann Plaghunter in verschiedenen Ausbaustufen nutzen:

  • „Free“: bis 5 Fotos, kostenlos
  • „Start“: bis 100 Fotos, 19 Euro pro Monat zzgl. MwSt.
  • „Pro“: bis 1.000 Fotos, 69 Euro pro Monat zzgl. MwSt.
  • „Enterprise“: bis 10.000 Fotos. 199 Euro pro Monat zzgl. MwSt.

Die Preise sind zuzüglich Mehrwertsteuer, da sich das Angebot von Plaghunter an Unternehmer richtet. Was mir besonders gut gefällt: Man kann sich kostenlos und in Ruhe die Funktionalität anschauen und wenn man sich für eines der kostenpflichtigen Pakete entschieden haben sollte auch jederzeit monatlich kündigen.

Bilderklau dokumentieren

Um in einem eventuellen Rechtsstreit, z.B. vor Gericht, die Urheberrechtsverletzung einwandfrei beweisen zu können sind Screenshots unerlässlich. Ich würde jedoch kein Screenshot-Tool verwenden, welches nur den Browser-Inhalt, nicht jedoch die Adresszeile des Browsers mit erfasst. Daher empfiehlt es sich, vom kompletten Browser-Fenster inklusive der Adresszeile und dem fraglichen Foto einen Screenshot anzufertigen. Das geht mit Bordmittel unter Windows mit dem „SnippingTool“ und auf dem Mac mit „Bildschirmfoto“.

Wichtig ist auch, neben der eigentlichen Foto-Verwendung auch einen Screenshot von der Impressums-Seite anzufertigen.

Es ist auch sehr sinnvoll die Screenshots nicht nur selber zu machen, sondern auch einen Freund oder Bekannten zu bitten, diese Screenshots auch anzufertigen. Im Fall der Fälle könnte dieser Freund oder Bekannte vor Gericht die widerrechtliche Verwendung eines Fotos durch seine Screenshots und einer möglichen Aussage bezeugen.

Ich versuche auch grundsätzlich das Foto von der jeweiligen Website auf meine Festplatte zu speichern. Oftmals ist in den Exif-Daten meines gestohlenen Fotos nämlich noch mein Copyright enthalten 😉 Jegliche Ausrede läuft dann ins Leere…

Was kommt danach?

Im nächsten Teil dieser Artikel-Serie werde ich Euch berichten, wie man die entdeckten Bild-Diebstähle bzw. unerlaubten Foto-Nutzungen verfolgt.

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5 Kommentare

  1. Ein gelungener Artikel, der dank der genauen Erklärungen ein guter Leitfaden ist. Ein unschönes Thema, aber da viele Leute gar nicht wissen, was mit ihren Bildern passiert und die „Bilderdiebe“ ihr Vorgehen oft für ein Kavaliersdelikt halten, sehr wichtig, dass darüber aufgeklärt wird. Dankeschön für die Mühe!

  2. Facebook und Co sind da meiner Erfahrung nach sehr schnell, wenn es um sowas geht. Leider hat sich ein Foto von mir auf chinesischen Seiten verbreitet- da hat man offenbar wenig Chance. Eine Kopie davon ist dann wieder auf französischen Seiten aufgetaucht und mein Hinweis darauf, es sei mein Werk und sie mögen es bitte löschen wurde kommentiert mit, ich soll meine Bilder halt schützen, sonst passiert sowas eben.
    Hab jetzt die Betreiber der Seite mal direkt kontaktiert. Mal sehen, was passiert. Lästig ist sowas dennoch.

    Bin gespannt auf den zweiten Teil und die Tipps, wie man vorgehen kann.

    LG, Ilona

    • Bei Blogs, die auf blogger.com / blogspot.com, also von Google gehostet werden, geht es recht schnell, dass die Fotos verschwunden sind. Ging in zwei Fällen innerhalb von einer Woche.

      China und Russland: Keine Chance 🙁 Bei französischen Websites würde ich nicht so schnell die Flinte ins Korn werfen. Denn auch da gilt europäisches Recht. Im Zweifelsfall würde ich eine Abuse-Meldung an den Hosting-Provider senden, damit der die komplette Site vom Netz nimmt.

      Mehr dazu dann im nächsten Teil (ist dann der dritte Teil, denn der erste beschäftigt sich mit der Rechtslage und dies hier ist schon der zweite Teil 😉 )

      • Oh, danke. Den ersten hab ich glatt verpennt 😉
        Ich habe jetzt auch wie gesagt den Provider benachrichtigt. Mal schauen. Sie sagten, sie kümmern sich drum.

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